Zusammenfassung
Eine umfassende wissenschaftliche Überprüfung von Thymosin Beta-4, dem 43-Aminosäure-Gewebereparatur- und entzündungshemmenden Peptid, das seine Entdeckung, Aktin-Bindungsmechanismus, Rollen bei Wundheilung, Herzreparatur, Neuroprotection und seine Beziehung zum kommerziellen Fragment TB-500 abdeckt.
Thymosin Beta-4 (TB4) ist ein 43-Aminosäure-Peptid (MW 4.921 Da), das ursprünglich aus der gleichen Thymusfraktion (Thymosin Fraction 5) wie Ta1 isoliert wurde. Charakterisiert von Hannappel und Liebold 1985. Sequenz: Ac-SDKPDMAEIEKFDKSKLKKTETQEKNPLPSKETIEQEKQAGES. N-terminale Acetylierung ist obligatorisch.
## Biochemische Funktion
Hauptfunktion: Sequestrierung von monomerem G-Aktin (Kd ~0,7 μM), Verhinderung spontaner Polymerisation zu F-Aktin. Aktin-Bindemotiv: Reste 17–22 (LKKTET) — β-Thymosin/WH2-Domäne. Hohe intrazelluläre Konzentrationen in Lymphozyten (300–500 μM). Fehlt nur in Erythrozyten.
## Zusätzliche biologische Aktivitäten
Extrazelluläres TB4: Zellmigration, Angiogenese (VEGF-Stimulation, HIF-1α-Stabilisierung), Aktivierung von Akt/PI3K- und Rac1-GTPase-Signalwegen. Entzündungshemmend: Unterdrückung von MCP-1, MIP-1α/-2, NF-κB-Hemmung (p65). Antifibrotisch: Reduktion der TGF-β-Signalübertragung, Smad2/3-Phosphorylierung, EMT-Hemmung. Kardioprotektion: ILK-Aktivierung → Kardiomyozyten-Überleben via Akt; Reduktion der Infarktgröße, Verbesserung der EF, Aktivierung epikardialer Progenitoren (Nature, 2004).
## Klinische Entwicklung
RGN-259 (okuläres TB4): Phasen II–III bei neurotrophischer Keratopathie und trockenem Auge (RegeneRx). RGN-137 (kutanes TB4): Epidermolysis bullosa. Orphan-Drug-Status bei neurotrophischer Keratopathie. Veterinäranwendung: Sehnen-/Bandverletzungen bei Pferden. WADA: TB4 und TB-500 verboten (Abschnitt S2/S0).
## TB4 vs. TB-500
TB-500 ist keine Abkürzung für TB4, sondern ein kommerzielles synthetisches Fragment (typischerweise aktive Region ~17 Aminosäuren, MW ~2.000 Da). Alle klinischen Studien verwendeten voll-längiges TB4 (MW 4.921 Da). Forscher sollten das Produkt mittels Massenspektrometrie verifizieren.


